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Interview mit neuem Kreishandwerksmeister Herbert Lindhofer

Seit Anfang April ist Herbert Lindhofer der neue Kreishandwerksmeister in Salzgitter. Sein Betrieb bildet seit dem Beginn im Jahre 1977 aus. Es haben bis heute 100 Auszubildende in seinem Betrieb eine Lehre absolviert. Im Interview macht er Vorschläge zur Verbesserung der Berufsvorauswahl für Schülerinnen und Schüler.

Laut Lindhofer sind die Anforderungen heute in allen Berufen wesentlich höher. Dagegen ist die Qualität der Schülerinnen und Schüler eher nach unten gegangen.

Lindhofer stellt in Frage, ob Jugendliche ausreichend auf den Berufsweg vorbereitet sind. Zwar freuen sich junge Menschen, wenn sie eine Lehrstelle finden, aber ob sie damit den Idealzustand für sich finden, bliebe offen.

So beginnt schnell ein Motivationsproblem,wenn die Stelle nicht zu dem Jugendlichen passen sollte. Dabei stellt die Vorleistung aus der Schule die Basis für die Berufswahl dar. Sollten die Noten nicht stimmen und der Jugendliche geht trotzdem damit in den Beruf, quält er sich, wird überfordert und hat keinen Spaß, so Lindhofer. Eventuell würde er dann am liebsten alles hinschmeißen.

Das Handwerk habe den Vorteil, dass es immer die Nähe zum Auszubildenden hat, da die Betriebe nur 15 bis 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Dadurch setzt es sich verstärkt für junge Menschen ein und sie werden in die Gemeinschaft einbezogen.

20 oder 25 Jahre sind Menschen im Handwerk im Betrieb. Dieses Jahr haben Betriebe in Salzgitter acht Ehrungen von Mitarbeitern, die 25 Jahre und länger beschäftigt sind, sich wohl fühlen und dort gerne arbeiten. Das Handwerk ist also nicht nur Beruf, sondern auch Gemeinschaft und menschliche Bindung.

Lindhofer betont, dass, im Gegensatz zur Schule, die Jugendlichen im Berufsleben ständig unter Beobachtung sind. Sie werden ständig beurteilt, da sie nah am Kunden arbeiten. Damit müssen Jugendliche lernen umzugehen, wenn sie ins Berufsleben treten.

Hat ein Praktikant sich während seines Praktikums im Betrieb wohl gefühlt, und bewirbt sich dann für einen Ausbildungsplatz in dem Betrieb, hat er einen Vorteil, da der Betrieb ihn bereits kennt. Im Handwerk gibt es große Praktikantenzahlen. Laut Lindhofer sollten die Schulen mehr als bisher Betriebe besichtigen. Er schlägt vor, Schüler etwa eine Stunde in einem Friseurladen, bei einem Sanitär- und Heizungsbauer oder einem Maler gehen mehr Eindrücke zu bekommen.

Gehen die Jugendlichen nach ihren Neigungen, kann auch die Qualität erreicht werden, die Betriebe wollen. Deswegen ist die Vororientierung wichtig. Der Findungsprozess für den Beruf sollte gestärkt werden, so dass Jugendliche nach dem Praktikum wissen, was sie wollen.

Ein Problem mit dem Fachkräftemangel sieht Lindhofer nicht, da das Handwerk die maximale Ausbildungszahl pro Unternehmen erfüllt hat. Das Handwerk hat bereits für die Zukunft umgestellt, da auch Absolventinnen und Absolventen, die eigentlich nicht gut genug sind, häufig mit viel Erfolg ausgebildet werden.

Die duale Ausbildung sei wichtig, weil die Verbindung von Theorie und Praxis sinnvoll ist, so Lindhofer. Nur Schule wäre falsch, da man dem Jugendlichen die Zeit geben müsse in der Praxis zu lernen. Was in der Praxis geht und was nicht, müssen sie durch eigene Erfahrungen erlernen.

Diese Informationen fanden wir in:
Salzgitter Zeitung, Salzgitter Lokales, 29.04.2008, Seite: 24

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